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  Rechtsanwalt Bonn Dr. Palm

 

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Dr. Solveig Palm

Aktuelles

Festival-Management - Kulturelle Pressearbeit - Beethovenfest Bonn: Seit Sommer 2004 ehrenamtliche Mitarbeit für das Beethovenfest; vollständige Organisation des Eröffnungsfestes "Bühne frei für Beethoven" am 18. Sept. 04 sowie Organisation dreier Konzerte in der Beethoven-Lounge der Post (am 29.9., 6.10. + 8.10.04).  

Ludwig van B.

Eichendorff (Musiktheater)

Gärtnerin aus Liebe (Oper)

Gefühlte 56 (Musiktheater)

Götterfunken

Wem der große Wurf gelungen (Musiktheater)

Beethoven Schiller

Programm 2009

Netzwerk musikalische Jugendarbeit in Bonn

Bühne frei für Beethoven

JugendMachtMusikTheater

Veranstaltungen (Inhalte und Formate)

Entstehungsgeschichte

Beethovenfest 2009 Impressionen Teil 1 und Teil 2 

Eröffnungsveranstaltung Beethovenfest (2005) Dr. Solveig Palm im Gespräch mit dem Sänger Christoph Scheeben anlässlich der Mitorganisation der Veranstaltung

 

Friedrich Naumann Stiftung

Rund 100 Stipendiaten nahmen vom 22. bis 25. Juli 2004 am jährlichen Stipendiatenkonvent in Gummersbach teil. Der Konvent stand unter dem Motto „Freiheit und ihre Grenzen“. Die Leuchttürme für herausragendes stipendiatisches Engagement gingen an den Newcomer Sirko Schulz, an Sebastian Dressler für die Darlehens-Aktion zur Überbrückung für Promotionsstipendiaten, an Jochen Kienert, Georg Treugut und Tillman Hickel für den Freiraum sowie an Dr. Solveig Palm für ihr Lebenswerk.

Wetten dass ....!
Gehört der Weltmeister im Kirschkernspucken in einem liberalen Weltbild zur Elite?

von Dr. Solveig Palm

Man braucht nur das Guinness-Buch der Rekorde aufzuschlagen, schon findet man eine komplette Zusammenstellung weltweiter Eliten in allen Kategorien: alles Weltmeister, die hier versammelt sind, nach Maßstäben von Bildung und Leistung ebenso wie in Fragen des Reichtums, des Schachspielens oder auch des Guinness-Saufens.

Alle nicht selbst ernannt, sondern in harten, objektiven Prüfungsverfahren (Siehe Guinness-Show im Fernsehen oder auch hoch offiziellen Weltmeisterschaften und sonstigen Rankingverfahren) ermittelt...

Erste Regel: Wenn Liberale sich über Elitebegriffe unterhalten, sollten sie es tunlichst vermeiden, sofort von sich selbst zu sprechen, sondern sich lieber darüber unterhalten, welche Arten von Elite denn im liberalen Geiste für eine/unsere Gesellschaft wünschenswert wäre.

Zweite Regel: Wenn es unserem Weltbild im Großen und Ganzen entspricht, die Verschiedenartigkeit der Menschen gutzuheißen, kann daraus nur folgen, dass es auch sehr viele, verschiedenartige Kriterien für Elite geben kann.

Wir sollten nicht – wie einst der Sozialismus – in den Fehler verfallen, einen „liberalen Idealmenschen“ zu konstruieren, den wir dann mit staatlichen Erziehungs- oder Sanktionsmechanismen versuchen zu erziehen. Vielmehr müssen wir doch aus den Fehlern des Sozialismus die Lehre ziehen, dass man den Menschen in den Bedingungen seiner Wirklichkeit erkennen muss, um daraus ein geeignetes Gesellschaftsmodell abzuleiten. Ist aber damit das Guinness-Buch unser einziger möglicher Maßstab?

Fallgruben liberaler Elitediskussion

Wenn Liberale die möglichst ungehinderte, freie Entfaltung einzelner Individuen als angeblich bestes Mittel zur Beförderung der Gesellschaft fordern, verlieren sie bisweilen aus dem Auge, dass die Gattung Mensch sich nicht aus autarken Einzelwesen zusammensetzt, sondern sich in arbeitsteiligen Gesellschaften organisiert. Der einzelne Mensch ist a priori auf die Gemeinschaft mit seinesgleichen angewiesen; nicht nur aus Gründen zivilisatorischer Bequemlichkeiten, die sich durch die Arbeitsteilung ergeben, sondern auch aus unaufhebbaren psychosozialen Notwendigkeiten. Die „Brutpflege“ und Erziehung eines Menschen ist ebenso wenig durch Maschinen ersetzbar, wie die Kommunikation und Zuwendung Erwachsener untereinander. Das Modell Mensch ist biologisch als Gesellschaftswesen bedingt (in der totalen Einsamkeit wäre er selbst bei vorhandener Alimentation zum Tode verurteilt) und zivilisatorisch von einer komplexen Arbeitsteilung abhängig geworden. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit muss Liberalen offenbar immer mal wieder in Erinnerung gerufen werden, denn immer wieder hört man Sätze, wie: „dass ich im wesentlichen ein freies Individuum bin, erkenne ich daran, dass ich alle fundamentalen Fragen in meinem Leben (schon welchen Pullover ich morgens anziehe oder ob ich mir die Zähne putze) selbst entscheiden kann. Geradezu putzig die Vorstellung, dass dies ohne Gesellschaft denkbar ist, denn weder dürfte der Pullover der eigenen Schafzucht entstammen, noch putzt man sich die Zähne mit dem Finger am kalten Bachlauf.

Vielen solcher Individualisten ist offenbar in Vergessenheit geraten, in welchem Maße sie auf das Funktionieren einer überaus komplexen Gesellschaftsorganisation angewiesen sind. Was hat dies nun mit dem Elitebegriff zu tun? Elite kann nie allein aus einer Person erklärt werden. Auch wenn es eine außerordentliche Leistung sein mag, Weltmeister im Pfahlsitzen oder im Lastwagen-Heben zu sein, so kann der Elitebegriff nur im Zusammenhang mit der Frage bewertet werden, welchen Wert eine außerordentliche Leistung für ein funktionierendes Zusammenleben der Menschen hat.

Sind Individuum und Gesellschaft zu Gegensätzen geworden?

Das Getriebe der Gesellschaftsorganisation ist offenbar an einigen Stellen ins Knirschen geraten. Der notwendige „Schmierstoff“, die Verständigung über Pflichten und Verantwortung im Sinne der Gemeinschaft, also das, was man landläufig unter einem Wertesystem versteht, ist unverbindlich geworden. Versuchen Liberale, sich über Werte zu verständigen, landen sie allzu leicht bei der Antwort, dass auch Werte individuell wählbar sein sollten. Die Frage, wie meine Rechte als selbst bestimmter Mensch mit meinen Pflichten und meiner Verantwortung in einer Gesellschaft abgeglichen werden können, sind offenbar fast nicht mehr zu beantworten, was höchstwahrscheinlich mit der gigantisch gewachsenen Komplexität der Gesellschaft zusammenhängt. Innerhalb der Familie oder – im früheren Verständnis – der Sippe, der Dorfgemeinschaft – war es noch für jeden Einzelnen nachvollziehbar, welches Verhalten in der Gruppe angemessen war. Auch die nationale Identität war – am historischen Beispiel Deutschland – schon schwer zustande zu bringen aufgrund der quantitativen und qualitativen Komplexität dieser Gruppe. Immerhin: dies war einst gelungen bis hin zur emotionalen Identifizierung, die irgendwann überschwappte. Aus der historischen Erfahrung wird die Gruppenidentifikations-Größe „Nationalität“ heute tendenziell negiert. Aber retten wir uns wirklich, wenn wir uns in noch größere Einheiten flüchten?

Heute sprechen wir von der globalen Gesellschaft, von „one world“, zumindest aber vom einigen Europa, als könne eine Gemeinschaft dieser Größenordnung per Dekret funktionieren. Haben wir nicht alle das ungute Gefühl, dass dies - bisher zumindest - Kopfgeburten sind? Wann und wie wird man tatsächlich das Gefühl einer Zusammengehörigkeit in einer Größenordnung entwickeln können, die kein Gegenüber, d.h. keine Abgrenzung nach außen mehr kennt? Gehen uns mit der fehlenden Abgrenzung nach außen nicht auch Möglichkeiten für Maßstäbe verloren, die wir in den kleineren Binnenstrukturen noch dringend brauchen, d.h. Ähnlichkeit, Vertrautheit, Verständigung und Verstehen, und damit Toleranz und Solidarität?

Lässt sich „Elite“ ohne verbindliche gesellschaftlichen Maßstäbe definieren?

Wahrscheinlich nicht. Elite im wohl verstandenen Sinne, kann jedenfalls nie derjenige sein, der sich auf Kosten der Gemeinschaft erhebt, sondern nur der, dem es gelingt, durch seine eigene Leistung oder sein Verhalten das Funktionieren der Gemeinschaft insgesamt zu befördern.
Manchmal ist dies leicht zu beantworten, oft aber schwer. Es mag Vereinbarungen von Menschen untereinander geben, die im unmittelbaren Sinne keine Auswirkung auf die Gemeinschaft haben, im übertragenen Sinne aber doch. Zwei berühmte Beispiele aus jüngster Vergangenheit belegen, dass ein liberales Gesellschaftsverständnis an Grenzen gestoßen ist, die neu diskutiert werden müssen:
Können oder müssen wir es in einer liberalen Gesellschaft zulassen, dass zwei Menschen miteinander zur beiderseitigen Zufriedenheit verabreden, sich aufzufressen?

Zweites Beispiel: Kann ein Vorstandsvorsitzender eine Zig-Millionenabfindung damit rechtfertigen, dass er den "shareholder value" der neuen Gesellschaftsform verbessert ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Auswirkungen dieses Ergebnisses? Können diese beiden Formen des Kannibalismus, der individuelle und der des „unfriendly take over“ globaler Konzerne jenseits gesellschaftlicher Verantwortung stattfinden?

Zugegeben: diese Fragen sind aufgrund der Komplexität der Kriterien nicht leicht zu beantworten. Fest steht immerhin so viel: Zum Funktionieren der Gesellschaft gehören nicht nur leistungsstarke Vorstandsvorsitzende, sondern auch charakterlich geeignete Erzieher, engagierte Eltern, verantwortungsbewusste Müllentsorger, integrationswillige ausländische Mitbürger... all dies sind auch im liberalen Sinne Kriterien. 

Bescheidenheit bei der Festlegung der Kriterien ist sicherlich ratsam, denn wie oft hat sich die Welt nicht geirrt in ihrer Elitebildung: van Gogh verkannt, Caspar David Friedrich und Gregor Mendel 200 Jahre vergessen, Stalin und Kim Jong Il nicht verhindert (um nicht immer nur den gleichen zu nennen), ganz zu Schweigen von der Frage was man nun hier und heute von Guildo Horn, Dieter Bohlen oder armen Geschöpfen wie Daniel Küblböck in dieser Hinsicht zu halten hätte. Welch ein Armutszeugnis, wenn die unser Gesellschaftsverständnis repräsentieren müssen!

Lasst uns also weiter streiten!

Solveig Palm

 

Solveig Palm Konrad Palm

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Copyright Dr. Palm - 2000 - Stand:10.05.2010